Oder: Was tut Gott an einem Adventsmorgen?

Wieder so ein grauer Tag. Gott hatte schlecht geschlafen. Jetzt merkte er doch das Alter. Und irgendwann in der Nacht war er mit einem wilden Schmerz in seinen Gedärmen wach geworden. So kann es nicht weitergehen, dachte Gott bei sich. Allein schon dieser Name, Gott! Das Blöde war ja, dass er ihn noch nicht mal selbst ausgesucht hatte, er wurde ihm gegeben. Jedes Mal, wenn Gott seinen Namen hörte und ihn jemand mit „Gott“ anredete, zuckte er zusammen. Gott war, was seinen Namen anging, nicht mal Herr im eigenen Hause. Er fühlte sich abhängig. Und irgendwie ungöttlich. Wenn Gott über sich selbst nachdachte, dann bevorzugte er Ruach – Wind, Duft, Geist.

Dann schaute Ruach aus dem Fenster und dachte sich: „Ich knipse da unten mal das Licht aus!“ Er war mal heimlich und unerkannt nach Dortmund gefahren und in einem Museum gelandet, weil er sich ausruhen wollte. Die hatten das ganz wunderbare Dinge ausgestellt, und eins hatte er mitgehen lassen, es nannte sich „Kurzschlussobjekt“ und ein gewisser Gabór Altorjay hatte es, ja nun, erfunden. Es gab also wohl noch mehr Schöpfer*innen in diesem Universum, dachte Ruach so bei sich. Doch das tat jetzt gerade nichts zur Sache. Ruach wollte Stille. Und das Geblinke sollte endlich aufhören. Und Ruach wollte einen Advent, der ein Advent war. Ruach wollte sich vorbereiten auf die Wiederkehr des messianischen Wunders, das ihm einst im Traum eingefallen war. Also steckte er das Kurzschlussobjekt bei sich oben in die Steckdose hinter dem Wandschrank im Schlafzimmer. Und, wusch, draußen war es bis auf wenige Ausnahmen dunkel. Schließlich wollte Ruach ja nicht auch alle Flugzeuge vom Himmel holen oder Züge entgleisen lassen. Ein bisschen Strom da draußen fand er eigentlich ganz hilfreich. Und dachte: „Wenn das mit dem Altern so weitergeht, brauche ich vielleicht mal eine künstliche Beatmung, und dafür braucht es Strom.“ Ruach war wohl mit der Zeit ein bisschen ängstlich geworden. Doch auch das, dachte Ruach so bei sich, ist Teil des messianischen Wunders, schloss die Augen und grenzenloses Mitgefühl wehte wie ein warmer Wind der Welt entgegen, verband alle, die ängstlich waren mit einem silbernen Duft, der all das zusammenfügte, was verstreut und zerrissen war. „Ja!“, sagte Ruach.

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