auch auf die gefahr hin, meiner berliner herkunft allzu sehr anzuhängen („wat jibt dett schon wieda zu meckern?“) und auch eingedenk der tatsache, dass ein youtube-video kein soziologisches proseminar ist: da hat die deutsche bahn zum 25. geburtstag des ice doch einen kurzfilm hochgeladen, der unter dem hashtag #loveislove nun die runde bis in die tagesthemen macht. die geschichte ist schnell erzählt: schwules paar, einer fußballer, der andere fan, unterwegs zum spiel im ice. am ende treffen sie sich auf dem bahnsteig, umarmen sich, gehen hand in hand ins off. das war’s schon. das war’s schon?

wir erinnern uns: vor 25 jahren galt noch der §175, der die schutzaltersgrenze für schwule bei 18 ansetzte und nicht bei 14 wie für ihre heterosexuellen oder lesbischen freunde_innen. vor 23 jahren kam „philadelphia“ in die kinos, großer hollywood-film, große schauspieler. der film gab einem breiten publikum endlich zur kenntnis, wie sehr aids die community geprägt hat. das gut situierte schwule paar – nie küsste es sich, nie hatte es sex, doch „loveislove“?

mir ist das ein bisschen zu wenig: zwar ist der §175 ist durch den zufall der wiedervereinigung weg, seit 2001 können gleichgeschlechtliche paare verwandtschaftsverhältnisse begründen, die eu hat die bundesregierung quasi zum allgemeinen gleichbehandlungsgesetz getragen. und 2016 geht das immer noch nicht, dass sich das paar am bahnsteig küsst? diese akzeptanz ist mir ein bisschen zu leicht zu haben, wenn schwulsein nur als entsexualisierte paarbeziehung darstellbar ist. das fremde – nur dann selbstverständlich, wenn es vom eigenen ununterscheidbar ist? mir fehlt da was: die emanzipatorische kraft des widerspruchs.

andererseits zeigt der film an der oberfläche genau die tiefe: nicht das überwinden der distanz von a nach b, sondern die distanz zwischen a und b -zwischen homo- und heterosexualität- gerade weil er um so etwas wie „normalität“ bemüht ist. er zeigt den mangel, genau das fehlen des kusses, das die lücke lässt („mind the gap!“) und schwule weiterhin als „die anderen“ unterscheidet und diskriminiert.

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