„Fox-News Experte verhaftet wegen falscher CIA-Vergangenheit“, „Experte gibt Anzeige gegen Pegida-Redner gute Chancen“, „Deutscher Experte restauriert Totenmaske von Tutanchamun“, „Experte für Gesichtsbehaarung ‚Der Bart lebt'“, „Freude: Experte fängt Hund Nelu“, „Experte: Messerstecher schizophren“, „Experte warnt vor ent-täuschten Flüchtlingen ‚Europa steht am Beginn einer Terrorismuswelle'“, „Experte gibt Laien gute Tipps“.

Acht snippets, acht Schlagzeilen, in denen unterschiedliche Experten_innen aufgerufen werden. Wozu überhaupt brauchen Menschen sie, die Experten_innen? Was macht die einen für die anderen zu Experten_innen? Was macht es so verlockend, ihnen genau diesen Status zuzuschreiben? Weil Menschen jemanden brauchen, der_die an ihrer statt souverän über den Dingen steht? Gesellschaften und Kulturen erzählen Geschichten von Obrigkeitshörigkeit; die Great Man Theory, erzählt davon, dass Anführer geboren und nicht gemacht werden. Experte_in bedeutet: „Sachverständige_r“, ein französisches Lehnwort, das seit dem 19. Jahrhundert in Deutschland gebräuchlich wurde. Wer Experte_in ist, ist erfahren, kundig, erprobt oder bewährt. Das lateinische experior, das auf das griechische πειραν zurückgeht, bedeutet: Etwas durch Versuche in Erfahrung bringen, einen Versuch oder eine Probe anstellen oder etwas prüfen und untersuchen.

Systemische Therapie als wissenschaftlich anerkanntes Psychotherapieverfahren

In seinem Gutachten vom 14. Oktober 1999 hatte der „Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie“ noch festgestellt, dass Systemische Therapie nicht als wissenschaftlich anerkanntes Psychotherapieverfahren eingestuft werden könnte. Seit dem 14. Dezember 2008 liegt ein neues Gutachten vor. Die Bewertungskriterien: Wirksamkeitsnachweise für die definierten Anwendungsbereiche der Psychotherapie bei Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen durch „unabhängige, methodisch adäquate Studien“. Von den 30 eingereichten Studien zur Wirksamkeit systemischer Therapie werden 16 Studien anerkannt, die den methodischen Anforderungen an „Untersuchungsdesign oder die statistische Methodik“ erfüllen. Der Wissenschaftliche Beirat kann in seinem zweiten Gutachten zusammenfassend feststellen, „dass die Systemische Therapie bei Erwachsenen für die Behandlungen in folgenden Anwendungsbereichen als wissenschaftlich anerkannt gelten kann: (1) Affektive Störungen, (5) Essstörungen, (7) Psychische und soziale Faktoren bei somatischen Krankheiten, (9) Abhängigkeiten und Missbrauch (Heroinabhängigkeit meist in Kombination mit Methadonbehandlung) sowie (10) Schizophrenie und wahnhafte Störungen“ (Wissenschaftlicher Beirat Psychotherapie nach § 11 PsychThG: Gutachten zur wissenschaftlichen Anerkennung der Systemischen Therapie, URL: http://www.wbpsychotherapie.de/downloads/GutachtenSystemischeTherapie20081214-1.pdf  – abgerufen am 06.12.2015, S. 8). Das Gutachten des Wissenschaftlichen Beirates Psychotherapie bringt die Systemische Therapie also auf die Innenseite der Unterscheidung zwischen Experte_in und Nicht-Experte_in.

Aufklärung und moderne Naturwissenschaften

Sapere aude“ – wage es, verständig zu sein, klug, einsichtig und weise, wage zu wissen! „Sapere aude“ wird zum Leitspruch der Aufklärung und zum Markierungspunkt der Moderne, Immanuel Kant, 1784: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne die Leitung eines anderen zu bedienen.“ (Kant, Immanuel: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? in: „Projekt Gutenberg-DE“, URL: http://gutenberg.spiegel.de/buch/-3505/1 – abgerufen am 06.12.2015.) Der Moderne geht es um Emanzipation. Es geht um den sozialen Wandel und den Abschied von der traditionalen Gesellschaft und die von Klerus und Adel bestimmte Ständeordnung. Keine lineare Einpassung des Menschen mehr in seine vorgegebene, von Gott gegebene Rolle. Aufklärung ist der Ort der Erfindung moderner Naturwissenschaften, der Erfindung von Psychologie und Psychiatrie und der Bedingungen der Möglichkeit funktional differenzierter Gesellschaften. Die Systemtheorie beschreibt also eine Gesellschaftsform, durch die sie selbst hervorgebracht wurde.

Im 19. Jahrhundert bilden sich die naturwissenschaftlichen Fächer heraus: Psyche statt Seele, Psychologie statt Theologie. Eine wissenschaftliche Methodik etabliert sich, wird etabliert – beobachten, erkennen, klassifizieren. Das Erkennen der „Natur“ setzt das forschende Subjekt in ein neues Verhältnis zu den es umgebenden Objekten. Erkennen bedeutet auch: Beherrschen. Verwissenschaftlichung und Technisierung der modernen Gesellschaft des 20. Jahrhunderts und der Lebenswelt sind die Folge. (Vgl. Seite „Geschichte der Naturwissenschaften“, in: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie, Bearbeitungsstand 3. November 2015, 11.05 Uhr, URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Geschichte_der_Naturwissenschaften&oldid=147658213 – abgerufen am 06.12.2015.)

Es lohnt sich, auf die Verwandtschaft Naturwissenschaft und Psychologie zu schauen. Der Behaviorismus als wissenschaftstheoretisches Konzept entsteht, und menschliches Verhalten wird mit naturwissenschaftlichen Methoden erklärbar: „A behaviorist is someone (…) who demands behavioral evidence for any psychological hypothesis.“ (Seite „Behaviorism“, in: Stanford Encyclopedia of Philosophy, Bearbeitungsstand 11. März 2015, URL: http://plato.stanford.edu/entries/behaviorism –  abgerufen am 06.12.2015.) Psychologie wird Verhaltenswissenschaft, Psychotherapie wird Verhaltenstherapie. Die psychische Verfassung eines Menschen bleibt etwas Privates und ist kein Gegenstand empirischer Studien. „The objection to inner states is not that they do not exist, but that they are not relevant in a functional analysis“ (ebd.), so B.F. Skinner, der wohl prominenteste Vertreter des Behaviorismus in den USA. Heute hat der Behaviorismus an Einfluss verloren. Seine Versuchsanordnungen, seine Laborsituationen, seine Trennung von Subjekt des Forschers und Objekt der Forschung lehnt nicht nur die kognitive Verhaltensforschung ab. Seit Mitte der 1980er Jahre etabliert sich die Neurophysiologie als eigenständige Disziplin, die sich mit den neuronalen Grundlagen des Verhaltens beschäftigt. Gleichwohl: Beide folgen demselben Modell von Wissenschaft, derselben Vorstellung davon, was eine_n Naturwissenschaftler_in zur_m Experten_in macht.

Kritik am Positivismus

Empirische Ergebnisse, Vorher-Messungen, Nachher-Messungen, Follow-up-Messungen, reliable und valide Messergebnisse, Veröffentlichungen in Fachzeitschriften mit Gutachter_insystem – das sind die gültigen Standards universitärer psychologischer Forschung. Doch wie steht es um die Kritik einer „empiristisch-experimentellen Methodik“, die „unhinterfragt als ‚die‘ wissenschaftliche Methodik“ verstanden wird? Wie steht es um die Bedeutung qualitativer Forschungsansätze, um die Bedeutung von Einzelfall- und Gruppenstudien, um qualitative Prozess- und Wirksamkeitsforschung? Das fragt Jürgen Kriz, von 2004 bis 2008 Mitglied des „Wissenschaftlichen Beirats Psychotherapie“. Er fordert kritische Distanz zu den Vorannahmen naturwissenschaftlicher Forschung, deren Anspruch es immerhin sei, „Denk- und Handlungsräume des Menschen zu erweitern“. (Vgl. Wissenschaftliche Regeln, Redlichkeit und Diskursbereitschaft. Ein Blick hinter die Kulissen der politischen Bühne des „wissenschaftlichen Beirats Psychotherapie“. Jürgen Kriz im Gespräch mit Ulrich Sollmann, in: Psychotherapie Forum (2009) 17: 90–95, URL: http://dgik.luke.sharpness.de/wp-content/uploads/DGIKJournal022012_web.pdf – abgerufen am 06.12.2105.)

Die Kritik „reduktionistischer und scientistischer Positionen“ ist nicht neu. Horkheimer und Adorno haben die „Kritische Theorie“ begründet und in der „Dialektik der Aufklärung“ die instrumentelle Vernunft entlarvt, in der die Herrschaft des Subjektes über die Natur umschlägt in einen Selbstzerstörungsprozess der Aufklärung. Die „Kritische Theorie“ stellt die Frage nach dem Erkenntnisinteresse von Wissenschaft. Jürgen Habermas unterscheidet in seiner Arbeit „Erkenntnis und Interesse“ von 1968 ein technisches von einem emanzipatorischen Erkenntnisinteresse. Das eine folgt dem Anspruch des objektiven Beobachtens im naturwissenschaftlichen Experiment und hat das Ziel, erfolgskontrolliertes Handeln zu sichern und zu erweitern. Das andere will über Ideologien und Abhängigkeitsverhältnisse aufklären und folgt dem Anspruch der kritischen Gesellschaftstheorie und will herrschaftsfreie Kommunikation und Autonomie ermöglichen. (Vgl. Martin Hafen und Herbert Meier: Kritische Theorie versus Systemtheorie als Grundlage für die professionelle Praxis – ein Briefwechsel, in: Petra Benz Bartoletta, Marcel Meier Kressig, Anna Maria Riedi, Michael Zwilling (Hrsg.): Soziale Arbeit in der Schweiz. Einblicke in Disziplin, Profession und Hochschule. Bern, Stuttgart, Wien [Haupt Verlag] 2010, S. 55-73.)

Psychiatrie-Kritik

Michel Foucault schreibt 1961 „Wahnsinn und Gesellschaft – Eine Geschichte des Wahns im Zeitalter der Vernunft“. Seine Sozialgeschichte der Psychiatrie ist zugleich ein Stück Wissenschaftssoziologie. Es erlaubt, die Frage nach dem Erkenntnisinteresse zu stellen und wird damit ein Instrument von Kritik an bestehenden Verhältnissen und der positivistischen Psychologie: „Die Krankheit ist die psychologische Wahrheit der Gesundheit, insoweit sie ihr menschlicher Widerspruch ist.“ (zit. n. Goddemeier, Christof: Geschichte der Psychiatrie. Wahnsinn ist keine Krankheit, in: Dtsch Ärztebl 2011; 108(33): A-1734, URL: http://www.aerzteblatt.de/archiv/102595/Geschichte-der-Psychiatrie-Wahnsinn-ist-keine-Krankheit – abgerufen am 06.12.2015.) Foucault geht es im Hinblick auf die psychiatrische Wissenschaft um „(…) eine Geschichte des sozialen, moralischen und imaginären Kontextes, in dem sie sich entwickelt hat.“ (Ebd.) Die Unterscheidung von Wahnsinn und Vernunft, die Abtrennung, das Auf-den-Begriff-Bringen und Zurichten der Verrückten lässt sich als eine Geschichte des Leidens erzählen. Aus dem errare humanum est wird die Unmenschlichkeit des Einsperrens, der Repression, der psychiatrischen Klassifikation. Das technische Erkenntnisinteresse der Psychiatrie und deren Unterwerfungstechniken werden Gegenstand der Kritik. Gegen die Experten_innen setzt der emanzipatorische Anspruch die Irren ins Recht – und zeigt damit, dass die Unterscheidung von „Vernunft“ und „Wahnsinn“ eine folgenreiche historische Konstruktion ist.

Systemische Haltungen und das Treffen von Unterscheidungen

„Besser, schlechter, gleich oder anders?“ – die Frage, die diesem Essay den Titel gegeben hat, geht auf Matthias Varga von Kibéd zurück. Sie eröffnet Menschen einen Raum, hilfreiche Unterscheidungen zu treffen. Nicht auszudenken, wenn die Frage „Besser, schlechter, gleich oder anders?“ auch nützlich und hilfreich dafür wäre, Sachverständige_r oder sogar Expert_in in Sachen des eigenen psychischen Systems zu werden. Nicht wenige Systemtheoretiker_innen, wie Niklas Luhmann oder Dirk Baecker, beziehen sich in ihren Arbeiten auf George Spencer Brown und dessen „Form der Unterscheidung“, die eben in den Blick nimmt, wie wir beobachten, was wir beobachten, wie wir unterscheiden, was wir unterscheiden und wie wir bezeichnen, was wir bezeichnen. Sie bewegen sich damit ganz im Kontext der Moderne, im Kontext der funktionalen Differenzierung von Gesellschaften. George Spencer Browns Aufforderung „Draw a distinction!“ („Triff eine Unterscheidung!“, M.C.) meint: „Die Entstehung biologischer, psychischer und sozialer Systeme kann (…) als das Setzen und Aufrechterhalten von System/Umwelt-Unterscheidungen bzw. -Grenzen erklärt werden.“ (Heiko Kleve: Soziale Arbeit als konstruktivistische Praxis. Anregungen für ein postmodernes Verständnis von Sozialarbeit. URL: http://www.www.systemagazin.de/bibliothek/texte/kleve_sozialarbeit_konstruktivistische_praxis.pdf, S. 8 – abgerufen am 06.12.2105.)

Uns interessiert an dieser Stelle die Generierung der „Zwei-Seiten-Form“ (George Spencer Brown), die durch das Setzen der Unterscheidung Experte_in / Nicht-Experte_in entsteht. Es geht dabei, im Anschluss an Luhmann, um die logischen Grundlagen, die die psychotherapeutische Theoriebildung steuern und um deren ideologische und empirische Verortung in der Gesellschaft. (Vgl. im Folgenden Niklas Luhmann: Frauen, Männer George Spencer Brown, in: Zeitschrift für Soziologie, (17)1988, S.47-71). Markiert wird durch die Unterscheidung der_die Experte_in in einem unmarkierten Raum. Und offenbar wird durch diese Unterscheidung eine Asymmetrie hergestellt. Doch erst durch diese Unterscheidung wird eine Bezeichnung und mit der Bezeichnung eine inhaltliche Anreicherung möglich. In welcher Weise erlaubt unsere Gesellschaft, die Asymmetrie dieser binären Codierung abzuschwächen und das Kreuzen der Grenze der Unterscheidung zu erleichtern? Wo und wie genau wird Nicht-Expert_in „fast die gleiche Bedeutung“ (Luhmann) gegeben, wie Expert_in? Was bedeuten uns Autodidakt_innen, Selbsthilfe, Do-it-yourself-Verfahren, Selbstwirksamkeit? Und was bedeuten sie uns dann, wenn die Psyche Hilfe braucht? „Sehe ich mich als der Experte, der ’sieht, was ist‘, oder sehe ich den Klienten als den ‚einzig lebenden Experten seiner Welt‘ an, der somit alleine Deutungshoheit über das hat, was sich da zeigt?“ (Christopher Bodirsky: Qualität in der Leitung von Familienaufstellungen, in: Kontext 46/2015, S. 110-124, S. 112)   Systemische Therapie öffnet einen Raum, in dem sich zwischen Therapeuten_innen und Klient_innen eine Erfahrung von besonderer Rationalität einstellt, die zugleich Intensivierung und Distanzierung erlaubt, Intensivierung von Empfindungsfähigkeit in der Lebenswelt und Distanzierung, indem bestehende Deutungsmuster und Handlungsmuster durchbrochen werden.Die Geschichtswissenschaften haben es in den 1980er Jahren vorgemacht: Die Hinwendung zur sogenannten Oral History kommt einem Paradigmenwechsel gleich. Diese neue Art der Forschung hatte damals einen schweren Stand, überhaupt als wissenschaftlich anerkannt zu werden. Die Narrative der Zeitzeug_innen kommen ins Spiel und finden Eingang in wissenschaftliche Forschung und mit ihnen die alternativen Konstruktionen, die anderen Wahrnehmungen, das subjektive Erinnerungsvermögen, Alltagswissen, abweichende Überzeugungen und Vielstimmigkeit.

Nicht auszudenken, wenn systemische Therapie noch etwas anderes wäre, als ein nach den naturwissenschaftlich-empirischen Regeln anerkanntes Therapieverfahren. Systemische Therapie könnte als konstruktivistische Praxis reformuliert werden und ihr würde durch diesen Unterschied ein ganz anderer Experten_innen-Status zukommen. Kommen wir auf die eingangs angeführten snippets zurück. Offenbar kommt es auf den Kontext an, in welcher Weise Menschen der Status als Experten_innen zugeschrieben wird. CIA, Pegida, Terrorismus bewegen sich im Kontext von Politik und öffentlichem Handeln, gleichwohl setzt sich hier die Unterscheidung von Innenseite und Außenseite fort, von Zugehörigkeit und Ausschluss. Die griechische polis, von der wir „Politik“ ableiten, unterschied sehr genau zwischen demokratischer Beteiligung und Nichtbeteiligung, zwischen Einschluss in die und Ausschluss aus der Politik, Frauen, Sklaven und Metöken, den Fremden, kam Souveränität nicht zu, sie blieben ausgeschlossen. Die Totenmaske von Tutanchamon, Gesichtsbehaarung, der Hund Nelu, und ein schizophrener Messerstecher können zwar in denselben Kontext gestellt werden, bewegen sich -unserer Alltagserfahrung folgend- jedoch in anderen Kontexten.

Klienten_innen als Experten_innen

Systemische Experten_innen, sofern sie sich auf eine Kybernetik zweiter Ordnung beziehen, also ihre eigenen Unterscheidungen beobachten -eben auch die Unterscheidung Experte_in / Nicht-Experte_in-, könnten ohne größere Anstrengung für die Not-Wendigkeit der Selbstreflexion sensibilisiert sein. Die Positionierung des Einen („Experten_innen-Haltung“) und des Anderen („systemische Haltung“) beinhaltet dann schon einen emanzipatorischen Fortschritt: „Die KlientInnen werden als ExpertInnen für sich und ihre Lebensgestaltung gesehen. Sie werden zur Entdeckung und selbstbestimmten Nutzung eigener Ressourcen angeregt, dabei unterstützt und begleitet.“ (Ethik-Richtlinien der DGSF e.V.) Das, freilich, folgt einem anderen ganz Modell von Wissensgewinnung, als dem empiristisch-naturwissenschaftlichen Modell.

In der systemischen Therapie werden Experten_innen dekonstruiert und rekonstruiert. Im therapeutischen Setting wird jede_r auf ihre_seine Weise immer wieder zum_zur Experten_in. Die Frage ist weniger „Wer ist Experte_in?“, als viel mehr „Was ist hilfreich, nützlich, passend, heilsam?“ Es geht um Spiegelungen, um mäeutisches Fragen, um die Entdeckung eines Zwischenraums, der zum Möglichkeitsraum von Unterscheidungen wird, die dazu einladen, etwas ander(e)s zu machen.